
Was empfinden wir als schön? Symmetrische Formen, Proportionen nach dem goldenen Schnitt, harmonischen Wohlklang ... immer wieder wird nach objektivierbaren Maßstäben gesucht, um Schönheit zu ergründen und zu definieren. Die Schwachstelle: Es gibt keine Formel, die für alle gilt.
Der Neurobiologe Semir Zeki stellte stattdessen die Frage, ob es im Gehirn – unabhängig vom aktivierten Sinneskanal – eine übergeordnete Instanz für Schönheit gibt. Für die Antwort hat er 21 männlichen und weiblichen Kandidaten ins Gehirn geschaut. Mittels FMRI (functional magnetic resonance imaging) beobachteten die Forscher, wie die Gehirne der Teilnehmer auf die Bilder und die Musikstücke reagieren.
Wurden die geschauten oder gehörten Impressionen als schön bewertet, reagierte – neben den sensorischen Wahrnehmungszentren – immer auch der mittlere orbitofrontale Kortex. Ein komplexer Gehirnbereich, u.a. zuständig für die Kontrolle der Emotionen, wichtig für das Ich-Bewusstsein, Motivation und Aufmerksamkeit. Er leuchtete umso intensiver auf, je besser den Probanden ein Bild oder eine Melodie gefiel – wobei die Präferenzen nicht deckungsgleich waren.
Bei positiven visuellen Reizen wurde zudem der Nucleus Caudatus aktiviert – ein Gehirnbereich, der schon bei früheren Studien zum Thema Schönheit aufgefallen war und zudem als Neuronen-Hochburg der romantischen Liebe identifiziert wurde. Eine spannende Verbindung und eine wissenschaftliche Bestätigung der These, dass Schönheit im Auge bzw. im Gehirn des Betrachters liegt
In seiner nächsten Studie beschäftigt sich Zeki damit, ob es im Gehirn zwei Bewertungsinstanzen gibt, eine für die schönen Dinge des Lebens und eine andere für die hässlichen Seiten des Seins. Denn der bei Schönheit aktivierte Kortex-Bereich blieb ausgeschaltet, wenn visuelle oder akustische Reize als unangenehm empfunden wurden.
Quelle: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0021852